„Bioweine sind nicht gut für unseren Planeten!“

9. Oktober 2008 · 2 Kommentare

Dieses Zitat stammt aus einem Wein-Plus-Interview mit dem derzeitigen Präsidenten der spanischen Weinbaudynastie Torres, Miguel Torres. Der 67-jährige berichtet ausführlich über seine Bemühungen um den Klimaschutz und positioniert sich selbst als Vordenker desselbigen im Weinbau.

Angeregt wurde sein Engagement nach eigener Aussage durch Al Gores Film „Eine unbequeme Wahrheit“. Nun wird das Wasser recycelt, 115 Hybrid-Fahrzeuge wurden angeschafft und der Strom wird selbst produziert. Zudem werden nachhaltige Projekte in Spanien mit hohen Summen unterstützt. Alles vorbildlich und löblich. Doch zurück zum eingangs erwähnten Zitat.

Wein-Plus: Weil Sie vom Spritzen sprechen – produziert Torres auch biologische Weine?

Miguel Torres: Biologische Weine machen wir bereits in Kalifornien, in Chile – und im kommenden Jahr auch in Spanien. Trotzdem möchte ich klarmachen: Bioweine sind nicht gut für unseren Planeten! Die Konsumenten glauben, Biowein wäre gut gegen die Klimaveränderung. Dem ist nicht so! Ein Beispiel: Im Juli gibt es in unseren Weingebieten die große Gefahr, dass sich die Trauben mit Mehltau infizieren. Traditionell und auf biologische Weise muss man den wochenlang mit Schwefel bekämpfen. Es gibt aber auch synthetische Mittel, die beispielsweise die deutsche BASF herstellt. Da genügen drei Wochen, um den Mehltau zu beseitigen, und so spart man große Mengen Wasser, aber auch Diesel für die Traktoren und damit CO2-Ausstoß.

Ich meine, alleine mit dem Kauf von Biowein rettet man sicherlich nicht den Planeten. Zudem stimmt es, dass mehr Spritzmittel-Applikationen im Bioweinbau notwendig sind. Aber ist diese Aussage nicht sehr gewagt? Welche CO2-Mengen fallen bei Forschung und Entwicklung und vor allem der Produktion dieser synthetischen Mittel an? Für mich hört es sich fast so an, als ob Torres Ansicht nach, synthetische Mittel im Bioweinbau eingesetzt werden sollten um weniger CO2 zu produzieren und den Wasserverbrauch zu senken. Was meint ihr dazu?

Kategorien: Forschung · Nachhaltiges · Weingüter
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2 Antworten bis hierher ↓

  • Iris // 10. Oktober 2008 um 10:10

    Da könnte man sagen: große Anbauflächen sind nicht gut für unseren Planeten. In kleinen Gütern (und in unseren Hanglagen, die noch eine ausgewogene Flora rund um und zwischen den Terrassen haben), wird zwangsläufig noch zu Fuss gespritzt, die ersten (und effizientesten) Spritzungen gegen Mehltau kann man sogar noch ganz ohne (bezin-)motorgetriebene Hilfen ausbringen, in Pulverform, für den weiteren Verlauf wurde in Australien schon vor Jahren die erfolgreiche Spritzung mit verdünnter Milch erprobt…. ich kenne sogar noch Winzer, die die alten Spritzvorrichtungen auf Pferderücken benutzen… natürlich alles keine ratinelle Spitzentechnologie und hierzulande nicht für Güter mit 300 ha und mehr geeignet – und auch nicht unbedingt Produktionsmethoden für Massenweine zu geilen Preisen – aber eben auch eine Denkalternative…

  • Dominik // 13. Oktober 2008 um 17:44

    Aus meiner Sicht auf jeden Fall besser als konventionell zu spritzen. Es geht ja ausserdem nicht nur um CO2-Ausstoss, sondern auch um Boden- und Grundwasserbelastung, sowie den Schutz der Nützlinge.

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