Die Schweizer Weinwelt ist übersichtlich. Speziell im ökologischen Bereich. Jedoch über die Grenzen des Landes hinaus nicht wirklich präsent. Da ich seit über einem Jahr hier bei den Eidgenossen verweile, dachte ich, regelmässig Schweizer Bioweingüter vorzustellen wäre eine gute und gewinnbringende Sache, für mich und die Leser.

Den Beginn der Serie macht das Weingut Biolenz. Dieses hat seinen Sitz im beschaulichen Ort Üsslingen (TG), zwischen Bodensee und Winterthur. Als eines der ersten Weingüter in der Schweiz begann es ökologisch und ausschliesslich mit Piwi-Rebsorten zu arbeiten. Die Grundlage eines hundertprozentigen Piwi-Rebenbestands ermöglicht es dem Macher hinter den Weinen, Guido Lenz, gänzlich auf Spritzmittel jeglicher Art (ob ökologisch oder bio-dynamisch) zum Schutz der Reben vor Krankheiten zu verzichten. Der ein oder andere wird jetzt anmerken, dass dies nicht möglich sein kann, vor allem im ökologischen Weinbau nicht… aber es kann. Bei meinen Besuchen des Weinguts konnte ich mich immer wieder von der perfekten Gesundheit der Reben, trotz Verzicht auf Behandlungsmittel überzeugen. Die intensive manuelle Weinbergspflege macht den Unterschied. Jeder Arbeitsschritt erfolgt sorgfältig per Hand, kein Einsatz von Maschinen.

Die Philosophie von Biolenz lautet „bio and beyond“. Der Begriff „beyond“ steht hierbei für die geistige Ebene, welche bei der Entstehung der Weine ebenfalls berücksichtigt wird. Im Weinberg soll eine positive Geisteshaltung die Pflanzen fördern. Im Keller wird auf jegliche Eingriffe verzichtet. Die Arbeitsgänge erfolgen zerimoniell und in vollem Bewusstsein der Einflüsse auf die Mitwelt. Der Begriff der Ganzheitlichkeit wie er in der Biobranche sehr häufig verwendet wird erhält bei Biolenz eine zusätzliche, tiefgreifendere Bedeutung.

Seit geraumer Zeit ist das Weingut im Schweizer Axis-Projekt tätig, welches Jugendlichen mit einem schwierigen Hintergrund begleitete Ausbildungsplätze zur Verfügung stellt.

Biolenz – Cuvée Barrique 2007

Der Wein präsentiert sich in einem dunklen Rubinrot. In der Nase dominieren zunächst überbordende Aromen von roten Früchten. Himbeere, Preisselbeere und Cranberry finden sich. Hinzu gesellen sich klassische Barrique-Aromen wie schwarze Schokolade und Kaffe, welche die Nase äusserst interessant machen. Eine rauchige, speckige Komponente ergänzt den Eindruck.

Im Gaumen zeigt sich der Wein saftig mit einer belebenden Säure. Zunächst dominiert die Frucht mit Pflaume, Maracuja und Orange. Hinzu gesellen sich würzig, kräutrige Aromen. Kradamom, weisser Pfeffer und Ysop um einige zu nennen. Piwi-like springt einem jedoch auf einemal eine Mohrrübe in den Mund. Die Tannine sind rund und der Wein lädt zum nächsten Schluck ein.

Der Wein wurde aus Piwi-Rebsorten produziert, was er nicht leugnen möchte. Durch den dezenten Einsatz des neuen Barrique (4 Monate) gewinnt der Wein an Harmonie und wirkt durch die zusätzlichen Geschmackskomponenten sehr interessant.