Fair Trade und Wein ist mein Thema zum Blogkarneval von Christoph. Dafür galt es, Storechecks durchzuführen, ein paar Weine zu kaufen und anschliessend zu degustieren. Also machte ich mich in St. Gallen auf den Weg, um Fair Trade Weine zu „posten“, wie der Schweizer zu sagen pflegt. Leider musste ich schnell feststellen, dass Fair Trade im Weinbereich noch eine untergeordnete Reihe spielt. Zumindest in St. Gallen. Bis auf vier Weine (zwei Rote, zwei Weisse) im Claro Weltladen sind hier in dieser schönen ostschweizer Kantonshauptstadt keine Weine mit dem bekannten Logo oder Hinweis aufzutreiben. Der Biosupermarkt meines Vertrauens führte insgesamt lediglich Weine aus Europa, die per definitionem keine Fair Trade Produkte sein können (beachtet man die vielen ausländischen Lesehelfer aus der Ukraine, könnte man sich hierüber ausserhalb Deutschlands vielleicht Gedanken machen); der ortsansässige Weinfachhändler hatte weder Bio, noch Fair Trade zu bieten und bei Coop war auch kein Wein mit dem Fair Trade Logo zu finden. Somit blieben mir die vier Weine von Claro, von denen ich nun zwei vorstelle.

„Los Robles Sauvignon Blanc 2005“ Preis: 14.90 CHF

Dieser Weisswein stammt aus Chile und wird von der Genossenschaft Curico, welche auch unter dem Namen Los Robles („Die Steineichen“) bekannt ist, produziert. Curico ist eine geschichtsträchtige Kooperative, welche die Pinochet-Diktatur überlebte und heute ca. 60 Mitglieder aufweist. Sie wird seit über 15 Jahren von der flämischen Organisation Oxfam finanziell und produktionstechnisch unterstützt. Oxfam sorgt ausserdem für die Einhaltung der Fair Trade-Kriterien. Alle Mitglieder von Los Robles besitzen zudem Aktien im Gegenwert von 40 Litern Wein und somit Mitbestimmungsrecht. Los Robles ist offensichtlich auf dem Weg zur Biozertifizierung.

Degustationsnotiz:

Ein dunkles, goldiges Gelb mit bräunlichen Reflexen findet sich im Glas. Die Nase verrät unverblümt, dass es sich um einen gealterten Wein handelt. Hinter einer deutlichen Oxidations- und Alterungsnote verstecken sich Zitronengrasaromen. Der Gaumen bestätigt, was die Nase verriet, der Wein ist leider hinüber.

„Ruitersvlei Merlot 2005“

Dieser Wein stammt vom Weingut Ruitersvlei aus Südafrika. Leider konnte ich keine genaueren Informationen über das Weingut finden. Vielleicht kann mir hier jemand weiterhelfen.

Degustationsnotiz:

Die Farbe ist ein dunkles rubinrot mit bräunlichen Reflexen. In der Nase finden sich zunächst fruchtige Noten von dunklen Beeren, Heidelbeer und Rumtopf. Überdeckt wird dies von Raucharomen und einer Note von Seetang. Zudem finden sich Kaffeenoten und geröstete Paprika in der Nase. Im Gaumen dominieren Sauerkirsch, Pflaume, gelbe Paprika und würzige Noten von Liebstöckel. Der Wein ist alkoholisch und leider etwas dünn und unharmonisch. Das Tannin ist trocknend.

Fazit

Leider konnten mich beide Weine nicht überzeugen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis war für mich nicht gegeben. Jedoch muss ich sagen, dass das geringe Angebot der Fair Trade Weine in St. Gallen kein umfassendes Urteil über die Qualität dieser Produkte im Allgemeinen zulässt. Beide Weine stammten aus dem Jahrgang 2005 und fristeten wohl schon eine lange Zeit im Regal. Dies stellte sich auch im Gespräch mit der Verkäuferin heraus, welche meinte, dass Weine eine stark untergeordnete Rolle im Fair-Trade-Sortiment spielen. Das schmeckt man leider auch.

Grundsätzliche Überlegungen

Ich unterstütze den Ansatz, die Arbeitsbedingungen durch Fair Trade zu verbessern, um den Menschen vor Ort grundlegende Bedürfnisse zu ermöglichen. Hierfür kann auch mal mehr Geld ausgegeben werden. Aus ökologischer Sicht stehe ich Überseeweinen kritisch gegenüber. Aus der Sicht des Weinliebhabers gestaltet sich dies manchmal schwierig. Wenn es Überseeweine sein müssen, sollten diese nach Möglichkeit fair gehandelt und ökologisch produziert sein. Die Qualität sollte dennoch stimmen.