Archive für Kategorie: Weingüter

Für die 32. Weinrallye, suchte sich die ausrichtende Dame, Iris Rutz-Rudel, ein Thema aus, das Weinliebhaber ins Schwärmen bringen dürfte. Pinot Noir oder auch Spätburgunder, hier in der Schweiz Blauburgunder genannt, der kapriziöse Rotweinkönig (oder die Königin?). „Pinot“ wird weltweit angebaut, der Ursprung liegt jedoch zweifelsohne im Burgund, wo schon im 4. Jahrhundert Pinot-Noir-Stöcke wuchsen. Unter Einfluss der dortigen Mönche, erklomm er im Mittelalter jenen Gipfel, auf dem er heute noch weilt. Dabei ist Spätburgunder ein äusserst sensibles Gewächs mit hohen Ansprüchen an den Standort.

Trotz des Primadonnen-Status, oder gerade deshalb, übt Pinot Noir eine besondere Anziehungskraft auf Winzer und Weinliebhaber aus. Ambitionierte Winzer rund um den Globus versuchen immer wieder ihr Glück mit der Rebsorte, die höchste Ansprüche an sie in Weinberg und Keller stellt.

Bei der Frage, welchen Wein ich wohl vorstellen soll, kam mir zunächst der spannende Schweizer Jungwinzer Markus Ruch in den Sinn. Nach einem Gang in den Keller erübrigte sich dieser Gedanke: Ausgetrunken. Wie schon bei meiner letzten Weinrallye entschied ich mich dann für einen Wein aus der Bündner Herrschaft, einen Malanser. Dieses Mal nicht von Louis Liesch sondern dem Weingut Clavadetscher, einem Bündner Bio-Weingut, das mir von einer Kollegin empfohlen wurde.

Clavadetscher, Blauburgunder Küng, 2008

Nachdem der Wein auf mich am ersten Tag einen unausgeglichenen Eindruck machte ist er heute umso besser. Granatrot. In der Nase fruchtig mit würzig-floralen Anklängen, Grapefruit, rote Beeren, frisch und als Kompott, Himbeeren, rote Johannisbeeren und eine Erinnerung an die Sommer bei Oma. Dort gab es immer frische Himberren und rote Johannisbeeren mit Vanillepudding. Eränzt wird das Ganze durch Noten von Bittermandel, Veilchen, schwarzem Pfeffer und einer Spur Anis. Am Gaumen wirkt der Wein saftig mit einer schönen Säure, leicht, filigran mit feinen Tanninen und Schmelz. Auch hier Grapefruit, Himbeer und rote Johannisbeeren. Dazu Sauerkirschen, Pflaumen, getrocknete Feigen, Vanille, Minze und weisser Pfeffer.

Zusammengefasst: Ein schöner Basis-Blauburgunder für jeden Tag.

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Vor einer Woche besuchte ich die Expovina Primavera in Zürich. Hier präsentierten sich viele Schweizer Händler und wenige Schweizer Winzer. Im Grunde war ich nur wegen einem Stand vor Ort – “Junge Schweiz – Neue Winzer“. An diesem waren 19 interessante Jungwinzer aus der Deutschschweiz versammelt.  Auffallend im Gegensatz zu den anderen Ständen: Sich drängende Besucher. Die Schweizer zeigten Interesse an ihren jungen, aufstrebenden Winzern. Zu Recht.

Die "Junge Schweiz" auf der Expovina Quelle: junge-winzer.ch

Mein Kollege und ich, degustierten uns durch fast alle Weine und hatten ein interessantes Gespräch mit dem Winzer Pasquale Chiapparini, der uns ein wenig über sein Weingut und die Vereinigung erzählte. Die Winzer kennen sich von ihrer Ausbildung an der Weinbauschule Wädenswil und treffen sich seit etwa zwei Jahren zu regelmässigen, gemeinsamen Degustationen. Erfahrungsaustausch unter ewig Lernenden. Der Gemeinschaftsstand an der Expovina war der erste gemeinsame Auftritt in der Öffentlichkeit, weitere Aktivitäten sind geplant. Gemeinsam statt einsam möchte man darauf aufmerksam machen, dass sich interessante, junge und innovative Winzer in der Schweiz tummeln.

Chiapparini selbst besitzt ein kleines Weingut in der Region Zürich. In Raftz bewirtschaftet er 3.2 ha. Kein Familienbetrieb wie er betont. Besonders einprägsam sind die moderne Flaschenausstattung und die Namen der Weine. „soweiss“ nennt er beispielsweise seinen Blanc de Noir, der Schaumwein heisst passend dazu „soprickelnd“.

Was besonders in Erinnerung blieb:

Pasquale Chiapparini – soweiss (Blanc de Noir)

Weingut Erich Meier – Pinot noir BARRIQUE

Kunz-Keller – Pinot

Weingut Schipf – Freisamer (Sylvaner X Pinot Gris; spezieller Weisswein, der mich an Piwi-Sorten erinnerte)

Weingut Schwarz – Müller-Thurgau

Halle 4a in Nürnberg.

In Nürnberg schlägt noch bis morgen das Herz der Bio-Branche. Seit gestern bin ich wieder zurück in der Schweiz, leider einen Tag zu früh um noch am heutigen Blogger-Treffen teilnzunehmen. Schade, ein ander mal.

Ich konzentrierte mich nicht zuletzt aus beruflichen Gründen auf die Halle 4a. Dort versammelte sich die Biowein-Welt. Dieses Jahr in geringerem Ausmass als noch letztes Jahr. Die Ausstellerzahl reduzierte sich von ca. 320 im letzten auf ca. 260 Aussteller in diesem Jahr. Ein Trend der sich fortsetzen wird, glaubt man den Ausstellern. Viele äusserten im Gespräch die Absicht nächstes Jahr nur noch auf Millésime Bio und Prowein zu setzen. Gleiches wurde von Seiten der Händler bekundet.

Besonders interessant für mich waren die Gespräche mit dem umtriebigen Moselwinzer und DLG-Jungwinzer des Jahres Timo Dienhardt, der nur so vor Projektideen strotzt und auf dessen künftige Arbeit ich sehr gespannt bin.

Naturwein – Wein schwefelfrei

Auf der Suche nach ungeschwefelten Weinen für die „Naturwein“-Weinrallye von Matthias Metze wurden meine Befürchtungen zum Teil bestätigt. Während ein ungeschwefelter Rotwein des Weinguts Savian aus dem Veneto sich speziell aber interessant präsentierte konnte mich der ungeschwefelte Riesling des Weinguts Gutoberstockstall im Wagram weniger überzeugen. Wie zu erwarten beginnt der Wein nach knapp einer Stunde mit Oxidationsaromatik zu trumpfen. Neben Noten von reifen, geriebenen Äpfeln waren es nussige Aromen, welche die Aromatik in der Nase kennzeichneten. Während die Nase noch interessant war, kam im Gaumen eine leicht bittere Note hinzu, die mich wenig glücklich stimmte. Während der schwefelfreie Riesling eher gewöhnungsbedürftig für einen konventionellen Gaumen war, präsentierten sich die restlichen Weine des Weinguts äusserst interessant und empfehlenswert.

Mein Fazit:

Die Bezeichnung Naturwein ist mir zu allgemein gehalten, da aus Studien hervorgeht, dass unbedarfte Konsumenten davon ausgehen, dass jeder Wein „natürlich“ produziert wird. Was ich letztendlich unter dem Begriff „Naturwein“ verstehe, ist ein Wein, der so natürlich wie möglich, ohne jegliche chemischen Zusätze produziert wurde.  Weder im Weinberg, noch im Keller. Soweit nichts neues. Nicht zu vergessen die ganzheitliche Betriebsstruktur, die den bio-dynamischen Höfen gleich sein sollte. Spontanvergärung als Muss. Die Krux am Ganzen ist für mich der Schwefeleinsatz im Keller. Als Weinmacher würde ich ungern auf einen gewissen Mindestschutz verzichten wollen, schätze deshalb umso mehr den Mut der Winzer, die ungeschwefelte Weine produzieren und den Wein sich selbst überlassen.

Ich gehe davon aus, dass ungeschwefelter Wein ein Trend ist, der nur eine geringe Anzahl an Verbrauchern anspricht und letztendlich eine kleine Sparte in der Sparte bleiben wird. Betrachtet man jedoch die Entwicklung der früher noch ungeniessbaren Bioweine weiss man nie, was geschehen wird…

Verkostungstipps der BioFach:

Sepp Moser

Jurtschitsch

Stefan Schwytz von baccantus.de, den ich beim letzten WeinNetzCH kennen lernen durfte, rief gestern die Aktion „WeinWeb für Haiti – Deine Hilfe zählt“ ins Leben. Zusammen sammeln webaktive Winzer, Weinhändler und Sympathisanten Spenden für die Betroffenen in der Krisenregion. Bisher schnürten Johner, Tvino und Romazini Care-Pakete, von deren Verkauf ein Teil gespendet wird. Privatpersonen können sich selbstverständlich auch an der Aktion beteiligen.

Anbei die Details mit mit allen nötigen Informationen:

Liebe Weinfreunde! Jeder hat es inzwischen mitbekommen: Das Erdbeben in Haiti vom 12.10.2010 hatte die Stärke von 7.0 auf der Richter Skala und traf damit ausgerechnet das ärmste Land der westlichen Hemisphäre.

Damit hat es innerhalb kurzer Zeit eine Region getroffen, die sich noch von den Hurrikans Ike, Hanna, Fay & Gustav aus dem Jahr 2008 erholte und die zur sogenannten 4. Welt gehört, den am wenigsten entwickelten Ländern auf unserer Erde.

Die UN spricht von der größten Katastrophe ihrer Geschichte und die Tatsache, das bis jetzt über 70.000 Tote geborgen worden und die Regierung Haitis von mindestens 200.000 Toten ausgeht, unterstreicht dieses Bild des Elends.

Die Bevölkerung in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince kämpft nach Angaben des IKRK derzeit ums pure Überleben.

Daher möchte Baccantus das deutschsprachige WeinNetz 2.0 dazu aufrufen, die Erdbebenopfer von Haiti zu unterstützen mit der

Aktion „WeinWeb für Haiti – Deine Hilfe zählt“

  • Der Teilnehmende Winzer oder Weinhändler stellt ein attraktives Paket mit drei oder sechs Flaschen Wein zusammen und kalkuliert einen vernünftigen Gesamtpreis.
    Es bietet sich für Winzer beispielsweise ein Querschnitt durchs Sortiment als Probierpaket an, für Händler eventuell ein Themenschwerpunkt wie „unsere besten Rieslinge im Januar“ oder Ausverkäufe auslaufender Jahrgänge etc.
  • Spendenaufschlag für den Käufer: 10% des VK, mindestens jedoch 5 €.
  • Der Verkäufer legt den gleichen Betrag noch einmal als Spende für die Erdbebenopfer von Haiti hinzu.
  • Der Teilnehmer setzt einen oder mehrere Banner auf seine Webseite, Blog, Shop etc. verlinkt auf die Spendenaktion hierher ggf. verbunden mit eigener Erklärung.
  • Der Teilnehmer überweist den gesamten Spendenbetrag an das folgende Spendenkonto:

Bündnis Entwicklung Hilft
Spendenkonto 51 51
Bank für Sozialwirtschaft
Bankleitzahl 370 205 00
Kennwort: ARD/Haiti
www.entwicklung-hilft.de

  • Der Teilnehmer bewirbt die Spendenaktion aktiv über seine Kontakte bzw. sein Social Media Network.

Die Spenden aus der Schweiz gehen an:

Postkonto 10-15000-6
Glückskette, 1211 Genf

Wir bitten Euch herzlich um rege Beteiligung an der Aktion und darum, kurz einen Teil Eurer geballten Web 2.0-Kompetenz in die Verbreitung dieses Aufrufs via Twitter, Facebook, Posterous und den restlichen SocialMedia-Dschungel zu investieren.

Wir denken, dass es eine gute Sache ist, auch auf diese Weise zu helfen.
Natürlich kann und soll man auch ohne Weinbestellungen direkt spenden!

Bei der Weinrallye 29, ausgerichtet von lamiacucina, konnte ich es mir nicht verkneifen teilzunehmen. Schweizer und Veltliner Weine sind das Thema.

Zum einen Teil also Weine meiner Wahlheimat. Schweiz und Wein, hier kommen Dôle, das Wallis, Gamay, Pinot Noir, RieslingxSilvaner und Merlot di Ticino in den Sinn. Vorstellen möchte ich einen Malanser von Louis Liesch. Einen Wein aus der Bündner Herrschaft, dem grössten Weinanbaugebiet (ca. 350 ha) und nördlichsten Teil Graubündens, etwa 45 Autominuten südlich von St. Gallen, meinem Wohnort, enfernt.

Die Bündner Herrschaft umfasst die vier Gemeinden Fläsch, Maienfeld, Jenins und Malans. Pinot Noir beherrsscht die kargen, kalkhaltigen Schieferböden am Fusse der steil abfallenden Bergfalken. Erst Anfang des 17. Jahrhunderts wurde die Rebsorte von jungen Söldnern und Bauernsöhnen aus dem Burgund importiert und ist seitdem das Aushängeschild der Region. Maienfelder und Malanser, die Bündner Spielarten des Pinot Noir, besitzen nicht nur in der Schweiz einen klingenden Namen.

Blick über Malans, Foto: Adrian Michael
Louis Liesch, der Produzent des Weines den ich vorstellen möchte, ist ein interessanter, sympathischer Winzer. Während andere bereits ihre Pension geniessen und es langsamer angehen, bleibt Louis Liesch seiner Leidenschaft, dem Winzerhandwerk, treu. Zusammen mit seiner Frau Margrit bewirtschaftet er weiterhin ca. 4 ha, auf denen der Pinot Noir dominiert. Bereits seit 1986 arbeitet Liesch nach ökologischen Grundsätzen und trug als Pionier dazu bei, dass mittlerweile etwa 20 % der Malanser Rebfläche ökologisch bewirtschaftet werden.

Im Sommer 2008 hatte ich das Vergnügen Liesch mit Freunden zu besuchen. Ein einprägsames Erlebnis. Das gewöhnlich wirkende, beschaulich gelegene Haus verriet nicht sofort, dass es sich hier tatsächlich um ein Weingut handelt. Der Keller, durch den uns Louis Liesch führte war klein und akurat aufgeräumt. Unter den wenigen Gebinden, überwiegend Stahltanks und einzelne Barrique-Fässer. Liesch ist kein Mann der grossen Worte, seine Hand-Etikettiermaschine hielt uns einige Momente auf, von der er schwärmte, dass sie die einzige Lösung für das saubere Aufkleben der Etiketten sei. Im Weinberg macht er fast alles von Hand, das ist einfach besser als Maschinen. Die Weine sprachen eine äusserst klassische Sprache, wie auch der Malanser, den ich vorstellen möchte.

Louis Liesch, Malanser Blauburgunder, 2008 – zu beziehen bei Delinat
Louis Liesch – Malanser Blauburgunder – 2008

In der Nase fruchtig mit würzigen Anklängen – Himbeerkonfitüre, Zwetschke, Mandarine, Holunderblüte, ein Hauch von Litschi und eine dezente, rauchige Note. Am Gaumen leicht, weich, saftig – Aromen von roter Johannisbeere, Kirsche, weissem Pfeffer, grünem Apfel, Anis und Dörrpflaumen. Bodenständig wirkt der Wein, wie sein Winzer. Ein schöner, klassischer Malanser, ohne viel Schnickschnack, der hält was er verspricht und Lust macht auf den nächsten Schluck.

Eines hat der Etiketten-Designer des „Aargauer Bio-Wein“ erreicht. Dieses Etikett vergisst man so schnell nicht wieder. Während die alte Welt mit Klassifizierungen verwirrt und die neue Welt auf Rebsorten reduziert, beschränkt man sich im Aargau auf anderes. Was ist es? Ein Biowein. Woher? Aus dem Aargau. Von Rebsorten keine Rede. Auch nicht auf dem Rückenetikett.

Neben dem Jahrgang, einer kurzen Degustationsnotiz und Genussempfehlungen finden sich dort die Namen der beiden Traubenproduzenten, die den Ausgangstoff für den Wein der Weinbaugenossenschaft Schinznach liefern. Letzteres finde ich äusserst interessant. Bisher fand ich die Information von welchem Traubenproduzent die Trauben stammen auf keinem Genossenschaftswein. Transparenz. Sicherlich ist die Aufführung bei zwei Winzern nicht sonderlich schwer. Bei bis zu zehn wird es schon komplizierter.

Ob der Konsument die Produzenten auf dem Etikett überhaupt wahrnimmt ist fraglich. Wenn er es liest wirkt es aber sicherlich vertrauensbildend und gibt dem gesichtslosen Wein ein wenig Identität.

Und der Wein?

Das www verriet die Rebsorten. Ein Cuvée aus Regent und Pinot Noir.

In der Nase würzig und fruchtig (Aromen von Cassis, Kirsche und Brombeere). Hinzu gesellen sich eine feine Marzipannote, sowie vegetabile und laktische Aromen. Im Gaumen nach saftigem Auftakt (hier bestätigt sich der aromatische Eindruck in der Nase) ohne allzu lange Verabschiedung abtauchen in die ewigen Jagdgründe. Interspezifisches Loch? Ein Wein der nicht zu vieler Worte bedarf.

Passend zum  „Aargauer Bio-Wein“ die Getränkeauswahl bei der britischen Serie IT Crowd.


Quelle: johner wein welten